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Bist du jetzt Veganer, oder was?

10. März 2017

Veganer bekommen keine Kinder – sie bekommen Sprösslinge. Einen dicken Veganer nennt man Biotonne. Wie eingefleischt können Veganer eigentlich sein? Ok. Einer geht noch, oder? Dürfen Veganer eigentlich Schmetterlinge im Bauch haben?

Die Liste der Veganer-Witze ist nicht nur endlos lang, sondern in der Tat auch recht unterhaltsam. Gott sei Dank kann ich über mich selbst lachen und fühle mich nicht persönlich angegriffen durch die etwas irritierte und irgendwie auch leicht abschätzige Frage meines Gegenübers, als ich mir im Café einen Cappuccino mit Sojamilch und ein veganes Frühstück bestelle: „Bist du jetzt Veganer, oder was?“ Die Begriffe  „vegan“ und „Veganer“ sind tatsächlich mit einigen Vorurteilen behaftet und nicht jeder assoziiert unbedingt Positives damit. Es ist beinahe eine Art Stigmatisierung, die einem zuteilwird, wenn man sich dieser Art der Ernährung aufschließt. Aber nicht nur aus diesem Grund, sondern auch weil letztlich nur betont wird, worauf man bei seiner Ernährung verzichtet und nicht, was man eigentlich zu sich nimmt, sollen zukünftig die Begriffe „pflanzenbasiert“ bzw. das englische Äquivalent „plant based“ häufiger Verwendung finden. Ich möchte dem Thema unvoreingenommen begegnen und hoffe, dass auch meinem Umfeld dies gelingen wird. Ansonsten höre ich mir aber auch ganz ohne Gram noch ein paar Witze an und denke im Stillen…wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Aber was sind denn eigentlich die typischen Vorurteile, mit denen sich „Pflanzenfresser“ immer wieder auseinandersetzen müssen?

Ich habe einmal die gewichtigsten Punkten aufgelistet, die man über vegane (ok, hier verwende ich den Begriff jetzt doch noch einmal…aber nur, weil es um Vorurteile geht) Ernährung immer wieder zu hören oder zu lesen bekommt.

1. Vegane Ernährung führt zu Mangelerscheinungen/Nährstoffmangel: Vor allem Eisen und Vitamin B12, welche  v.a. in tierischer Nahrung enthalten sind, kommen zu kurz, wenn man sich lediglich von pflanzlicher Kost ernährt. Daher wird eine Supplementierung (Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln) notwendig.

2. Man ist in der Auswahl der zur Verfügung stehenden Lebensmittel sehr eingeschränkt. Man kann schließlich nicht mehr einfach zum Bäcker an der nächsten Ecke gehen oder im (Fastfood-) Restaurant einkehren.

3. Vegane Kost schmeckt nicht und ist wenig abwechslungsreich.

4. Vegane Kost ist teurer als Mischkost und deutlich aufwendiger in der Beschaffung und Zubereitung

5. Eine vegane Ernährungsweise ist extrem und Veganer oft irgendwie „militant“ in ihren Ansichten.

In den kommenden Monaten möchte ich mich diesen Vorurteilen (von denen ich zugegebenermaßen mindestens eines durchaus teile) stellen, mich intensiv mit ihnen auseinandersetzen, sie überprüfen und für mich zu einer eben nicht nur auf Vorurteilen basierenden Meinung kommen.

Den negativen Punkten steht aber auch eine ganze Reihe von Erwartungen gegenüber, welche es ebenfalls kritisch zu hinterfragen und zu prüfen gilt. Hier eine kleine Liste, der Dinge, die ich von einer pflanzenbasierten Ernährung erwarte. Sie führt zu…

1. Gewichtsverlust (obgleich ich weiß, dass man sich auch als pflanzenbasiert Essender schlecht ernähren kann und nicht zwangsläufig Gewicht verliert).

2. einer Erhöhung der Vitalität und Leistungsfähigkeit, Abnahme von Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Trägheit.

3. Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens.

4. kräftigeren Haaren und Nägeln, besserer Haut.

5. erhöhtem Konzentrationsvermögen, weniger Nebel im Gehirn.

6. verbesserten Blutwerten (v.a. Cholesterin, Entzündungswerte…).

Da ich ja vor einigen Monaten Mama geworden bin und auch noch immer stille, ist es natürlich unglaublich wichtig für mich, dass es weder bei mir noch bei Lani zu Mangelerscheinungen kommt und wir beide durch unsere Ernährung das bekommen, was wir zum Gesundsein brauchen. Daher werde ich regelmäßig meine Blutwerte durch einen Arzt kontrollierten lassen und bei Auffälligkeiten entsprechende Maßnahmen ergreifen oder das Experiment notfalls auch früher beenden. Davon gehe ich aber absolut nicht aus, im Gegenteil. Ich möchte ja meiner Tochter, meinem Mann und mir durch diese Art der Ernährung die optimale Grundlage für ein langes und gesundes Leben schaffen.  Ich habe in den vergangenen Wochen schon viel über pflanzenbasierte Ernährung von Kindern gelesen. Hier gibt es, wie in nahezu allen Bereichen der Kindererziehung und –ernährung, sehr widersprüchliche Aussagen. Auch zu diesem Thema werde ich mich weiter informieren, mit unserer Kinderärztin sprechen und dann eine Entscheidung treffen. Ich lasse euch daran natürlich in Zukunft teilhaben und freue mich immer über eure Fragen, Rückmeldungen und Ratschläge!

Ein Buch, das dabei sicher eine wichtige Rolle spielen wird und welches auch als die „Veganer-Bibel“ bezeichnet wird, ist das 423 Seiten umfassende Werk „China Study. Pflanzenbasierte Ernährung und ihre wissenschaftliche Begründung“ von T. Colin Campbell und Thomas M. Campbell. Es handelt sich hierbei um die umfassendste Studie über Ernährung, Lebensweise und Krankheit in der Geschichte der biomedizinischen Forschung. Selbstredend also, dass ich mir jede der 423 Seiten in den nächsten Wochen zu Gemüte führen werde. Falls ihr noch Buchempfehlungen für mich habt, immer her damit!

So nun aber genug des Vorgeplänkels. Ich bin voll gespannter Vorfreude auf die nächste Zeit, würde aber auch sagen, dass ich eine gesunde Portion Skepsis im Gepäck habe. Ich möchte die Dinge, die mich bewegen, die Schwierigkeiten, die mir begegnen und die Erfolge, die sich hoffentlich einstellen, beim Namen nennen und hoffe, dass ein realistisches Bild dieses Ernährungsexperiments entsteht. Ich werde versuchen, euch mit wöchentlichen Updates auf dem Laufenden zu halten und euch regelmäßig mit Infos, Zwischenergebnissen und Erlebnisberichten versorgen.

Ich wünsche euch ein gesundes & glückliches Wochenende!

Much Love…Eure Ina

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